HONDA CB1000GT

Ich bin bis heute fest davon überzeugt, dass japanische Ingenieure sich bei einem Motorrad entschuldigen, wenn sie den Tankdeckel etwas zu schwungvoll geschlossen haben.

Nicht laut. Ganz höflich. “Sumimasen… すみません”

Anschließend verbeugen sich vermutlich drei weitere Kollegen ebenfalls beim Tankdeckel, bevor gemeinsam beschlossen wird, den Schließmechanismus in den nächsten acht Monaten noch einmal vollständig zu überarbeiten. Nun, er könnte sich sicherlich noch einen Hauch angenehmer schließen lassen.

Ich weiß natürlich nicht, ob das bei Honda tatsächlich so abläuft. Ich hoffe es allerdings. Denn irgendwie würde es wunderbar zu Japan passen.

Die Kunst des Weglassens.

Während andere Hersteller ihre Motorräder inzwischen mit immer größeren Displays, immer schärferen Kanten und möglichst vielen Superlativen ausstatten, scheint Honda einen völlig anderen Weg zu gehen. Nicht weniger Technik. Mehr Gelassenheit ist das japanische Zauberwort.

Hier liegt aus meiner Sicht der größte Unterschied. Wahre Perfektion erkennt man erstaunlich selten daran, wie viele Dinge hinzugefügt wurden. Wahre Perfektion erkennt man daran – ähnlich wie beim Porsche 911er – wie viele überflüssige Dinge nie ihren Weg an das Motorrad gefunden haben.

Eine Frage der Haltung.

Die CB1000GT wirkt auf mich nicht wie ein Motorrad, das morgens ungeduldig mit den Rädern scharrt und unbedingt beweisen möchte, wie schnell es beschleunigen kann. Sie erinnert vielmehr an jene Menschen, die einen Raum betreten, freundlich lächeln und trotzdem sofort die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es geht dabei nie um Lautstärke wie man es von anderen Bikes kennt. Es geht vielmehr um diese Aura, diese sanft-kraftvolle Ausstrahlung.

Warum ich Japan deshalb so sehr schätze.

Ich frage mich manchmal ernsthaft, ob japanische Ingenieure überhaupt schlafen. Oder ob sie nachts heimlich durch ihre Werkhallen laufen und sich gegenseitig zuflüstern: “Meinen Sie, der Blinker klingt beim Einschalten vielleicht einen Tick zu entschlossen?”

“Durchaus möglich, Tanaka-san.”

“Dann sollten wir das ändern.”

Vier Monate später erscheint eine neue Modellgeneration. Niemand erkennt den Unterschied, außer den vier schlaflosen Ingenieuren.

Meine Liebe zu Japan rührt von vielen Dingen und natürlich ist sicherlich nicht alles perfekt, aber … man gibt sich dort niemals mit dem Gedanken zufrieden: „Das reicht schon.”

Honda

Seit Jahrzehnten ist das das größte Geheimnis einer legendären Marke wie Honda. Honda baut keine Motorräder, um Schlagzeilen zu produzieren. Honda baut Motorräder für Menschen, die fahren möchten.

Nicht posieren. Nicht beeindrucken. Nicht beweisen. Einfach nur fahren!

Aus diesem Grund wirkt die CB1000GT so angenehm selbstverständlich, denn sie schreit nicht nach Aufmerksamkeit … sie flüstert. Hören Sie genau hin, denn gerade die leisen Töne hört man dann am deutlichsten.

Honda CB1000GT

Es gibt Motorräder, die erzählen von Geschwindigkeit. Es gibt Motorräder, die erzählen von Freiheit. Es gibt jene wenigen, die ganz nebenbei noch etwas anderes vermitteln: Respekt.

Vor dem Material. Vor dem Fahrer. Vor dem Handwerk.

Das ist der Grund, warum sich eine Honda niemals laut in den Vordergrund drängen muss und auch nie wird: Sie weiß längst, wer sie ist.

Und darin liegt ihre größte Stärke.

honda.de

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