EX NIHILO ..:.. DEMON DANCER

Hand auf’s Herz – und auf die verträumte Seele: Sie kennen sicherlich diese wunderbaren Momente, in denen unser Gehirn offenbar beschließt, sämtliche Regeln der Vernunft für einen Augenblick außer Kraft zu setzen. Wir flanieren geschmeidig durch eine Hotellobby, stehen irgendwo sinnierend an einer Ampel oder laufen einem vollkommen fremden Menschen über den Weg und verfolgen ihn unauffällig, obwohl wir weder wissen, wer sie/er ist, noch wohin sie/er möchte … und nein, bevor daraus ein Fall für die örtlichen „Mit-erhobenem-Zeigefingerdödel“ wird: wir interessieren uns – rein spekulativ gesehen – überhaupt nicht für diesen Menschen. Es ist einfach nur dieser außergewöhnliche Duft.

Die Liebe zu einem Duft, der unvergessen bleibt.

Irgendetwas daran kommt uns bekannt vor. Mehr noch: es berührt eine Erinnerung, die irgendwo tief in uns längst ordentlich abgeheftet, mit Staub bedeckt und vermutlich unter „Vergangenheit – bitte nicht mehr öffnen“ archiviert worden war. Doch unser Geruchssinn scheint sich für derartige Verwaltungsvorschriften herzlich wenig zu interessieren, öffnet den Ordner wieder und plötzlich stehen wir nicht mehr in dieser Hotellobby, sondern zwanzig Jahre früher in einem anderen Raum, neben einem anderen Menschen, hören beinahe wieder seine Stimme und erinnern uns an Dinge, von denen wir bis vor wenigen Sekunden nicht einmal mehr wussten, dass wir sie vergessen hatten.

Düfte können das.

Genau darin liegt ihre eigentliche Schönheit, denn natürlich können wir über Kopf-, Herz- und Basisnoten sprechen, über Rhabarber und Bergamotte, über Orangenblüte, Moschus, Tonkabohne und all jene wunderbaren Ingredienzen, aus denen Parfümeure kleine olfaktorische Kunstwerke erschaffen. Doch irgendwann hört ein außergewöhnliches Parfum auf, lediglich nach seinen Bestandteilen zu duften. Es duftet nach einem Abend, einem Hotelzimmer, einem Sommer, einem Hemd, einer Umarmung oder nach diesem einen Menschen, bei dem wir irgendwann beschlossen hatten, dass wir ihn für den Rest unseres Lebens nicht mehr vergessen möchten – selbst wenn das Leben später andere Pläne hatte.

EX NIHILO ..:.. DEMON DANCER

Als uns EX NIHILO seinen neuen Duft DEMON DANCER vorstellte, mussten wir deshalb ausgerechnet an Liebe denken. Was zugegeben zunächst etwas merkwürdig klingt, denn bei einem Namen wie DEMON DANCER erwartet man vermutlich eher eine durchgetanzte Nacht in Paris als zwei Menschen, die sich zwanzig Jahre später aneinander erinnern. Doch je länger wir uns mit der Idee hinter diesem Duft beschäftigten, desto interessanter wurde genau dieser Gedanke.

Eine Hommage an kompromisslose Selbstentfaltung.

EX NIHILO beschreibt DEMON DANCER als Hommage an kompromisslose Selbstentfaltung und an jene magnetische Spannung zwischen innerem Feuer und äußerer Freiheit, die während eines zeitgenössischen Tanzes entstehen kann. Der Duft soll sich dabei wie ein Ritual entfalten, intim und gleichzeitig performativ, roh und dennoch präzise, sinnlich und voller Energie – gewissermaßen eine Choreografie auf der Haut, bei der luftige Frische auf geerdete Intensität trifft. 

An dieser Stelle wurde es für uns spannend, denn eine Choreografie auf der Haut endet schließlich nicht in dem Moment, in dem die Musik verstummt. Manchmal beginnt sie erst dort …

EX NIHILO ..:.. JORDI FERNÁNDEZ

Master Perfumer Jordi Fernández, der seit mehr als neun Jahren mit EX NIHILO zusammenarbeitet und inzwischen 14 Kreationen für das Pariser Haus geschaffen hat, übersetzte für DEMON DANCER Bewegung, Spannung und Loslassen in Duft. Am Anfang stehen Rhabarber, Bergamotte, Pfefferminze und Blutorange – frisch, grün, hell und beinahe elektrisierend. EX NIHILO beschreibt diesen Auftakt selbst als einen Impuls, der den Körper in Bewegung setzt. Danach verändert sich die Komposition, Orangenblüte bringt florale Wärme hinein, schwarze Johannisbeere eine leicht herbe Spannung, bevor Georgywood™, Akigalawood™, Ambrofix™, Moschus und Tonkabohne schließlich jene warme, holzige Basis bilden, die auf der Haut zurückbleibt.

Man könnte das nun selbstverständlich eine olfaktorische Pyramide nennen. Wir nennen es lieber eine Begegnung.

Denn auch sie beginnt manchmal mit etwas, das uns für einen winzigen Moment aus dem Takt bringt. Ein Blick genügt, vielleicht eine Stimme, vielleicht die Art, wie jemand lacht, und schon hat irgendein vollkommen unvernünftiger Teil unseres Gehirns entschieden, dass dieser Mensch interessanter ist als sämtliche anderen Menschen im Raum. Aus diesem ersten elektrischen Moment entsteht Nähe, aus Nähe vielleicht Berührung und irgendwann tragen wir etwas von diesem Menschen mit uns, obwohl er längst nicht mehr neben uns steht.

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Parfum aufhört, Kosmetik zu sein. 

Ein aufregender, schöner Duft begleitet einen Menschen. Ein außergewöhnlicher Duft wird Teil seiner Erinnerung.

Deshalb haben wir bei DEMON DANCER nicht zuerst darüber nachgedacht, ob Rhabarber hervorragend mit Blutorange harmoniert oder wie lange Akigalawood™ auf unserer Haut wahrnehmbar bleibt. Uns interessierte eine viel schönere Frage:

Wie lange kann ein Mensch in einem Duft weiterleben?

Vielleicht Jahre. Vielleicht ein ganzes Leben. Vielleicht … sogar darüber hinaus.

Irgendwann steht man wieder in dieser Hotellobby. Ein fremder Mensch geht vorbei, irgendwo öffnet sich eine Tür und für den Bruchteil einer Sekunde liegt etwas in der Luft, das dort eigentlich überhaupt nicht sein dürfte.

Man bleibt stehen. Nicht, weil man DEMON DANCER erkannt hat. Man hat jemanden „erkannt“. Plötzlich versteht man auch, weshalb wir bei einem Parfum über Liebe sprechen.

Liebe hinterlässt Spuren an den merkwürdigsten Orten. In Fotografien, die wir längst vergessen haben. In Liedern, die wir im Radio schon lange nicht mehr gehört haben. In einem Satz, den niemand sonst auf diese besondere Weise gesagt hat. Und manchmal eben in einem Duft, der vollkommen unschuldig aus einem Flakon kommt und keine Ahnung davon hat, was er gerade mit uns angestellt hat.

Ich glaube, das ist sogar die schönste Form von Luxus: etwas zu besitzen, dessen eigentlicher Wert sich weder messen noch in Millilitern angeben lässt, weil er erst dort entsteht, wo sich ein Duft mit unserem eigenen Leben verbindet.

Wir Menschen unternehmen schließlich eine ganze Menge, um nicht zu vergessen. Wir fotografieren Sonnenuntergänge, Menschen und Orte, sammeln Nachrichten, bewahren Briefe auf, stellen Dinge in Schachteln, die wir vermutlich niemals wieder öffnen werden, und füllen unsere Telefone mit Tausenden Bildern, als könnten wir der Vergänglichkeit mit ausreichend Speicherplatz irgendwann ein Schnippchen schlagen. Dabei genügt manchmal etwas vollkommen Unsichtbares, um all diese sorgfältig konservierten Erinnerungen zu überholen.

Ein Duft ist unvergänglich.

Ein Duft braucht keinen Bildschirm, kein Fotoalbum und keine Erklärung. Er fragt nicht einmal höflich, ob der Zeitpunkt gerade passend wäre. Er ist plötzlich da, öffnet eine Tür, von der wir längst glaubten, den Schlüssel verloren zu haben, und für einen winzigen Augenblick wird Vergangenheit wieder Gegenwart.

Das macht die Erinnerung an den Duft eines Menschen so besonders. Wir können ihn nicht ansehen, nicht in die Hand nehmen und niemandem zeigen. Wir können nur versuchen, ihn zu beschreiben, und werden dabei vermutlich kläglich scheitern, weil Worte wie warm, holzig, frisch, süß oder sinnlich zwar erklären können, wie etwas riecht, aber niemals, wen wir darin wahr nehmen.

Denn irgendwann riecht ein Parfum nicht mehr nach Parfum.

Es riecht nach der Haut, auf der wir es kennengelernt haben. Nach einem Dekolleté, dem wir einmal sehr nahe waren, nach einem Mantel, der neben unserem hing, nach einem Kissen am nächsten Morgen oder nach jener merkwürdigen Mischung aus Nähe und Vertrautheit, für die noch kein Perfumer dieser Welt eine Ingredienz gefunden hat.

Ist es Liebe? Sehnsucht? Nur die Erinnerung daran, dass wir irgendwann einmal an einem bestimmten Ort mit einem bestimmten Menschen vollkommen glücklich waren? Wer weiß …

Seine Vergänglichkeit macht einen Duft erst so kostbar.

Wir können versuchen, ihn festzuhalten, doch irgendwann verflüchtigt er sich. Erst auf der Haut, später auf der Kleidung und irgendwann in den Weiten eines Raumes. Das scheint zunächst beinahe traurig, ist aber möglicherweise genau der Grund, weshalb er uns so tief berühren kann: was für immer bliebe, müsste niemals erinnert werden.

DEMON DANCER erzählt von Bewegung, von Körpern, Spannung, Freiheit und jener Energie, die entsteht, wenn ein Mensch für einen Augenblick alles um sich herum vergisst.

Wir möchten unserer kleinen Geschichte deshalb noch einen Gedanken hinzufügen: ein Tanz endet nicht mit dem letzten Schritt, eine Begegnung nicht mit dem Abschied und eine Liebe nicht zwangsläufig dort, wo zwei Menschen getrennte Wege gehen.

Es ist so viel mehr: manches bleibt.

Nicht sichtbar und schon gar nicht vernünftig, irgendwo zwischen Haut und Erinnerung, zwischen einem längst vergangenen Augenblick und diesem einen unerwarteten Atemzug Jahre später.

Ich denke, das ist auch der Grund, warum wir manchen Menschen im Leben zweimal begegnen.

Das erste Mal als Mensch. 
Das zweite Mal als Duft.

ex-nihilo-paris.com

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