LAMBORGHINI URUS SE PERFORMANTE

Menschen verfügen über eine eigenartige Angewohnheit: sie schreiben jedem besonders kraftvollen Fahrzeug sofort ein Raubtier zu. Der eine spricht vom Wolf, der nächste vom Löwe und spätestens beim dritten Prospekt schleicht irgendwo garantiert wieder ein Jaguar durch hüfthohes Gras und blickt bedeutungsschwer in den Sonnenuntergang.

Ich muss gestehen, dass ich mit diesen Vergleichen nie sonderlich glücklich geworden bin. 

Ein Lamborghini war für mich nie ein Raubtier: er war schon immer ein Stier.

Nicht irgendeiner!

Ein ausgewachsener, stolzer Kampfstier, der erstaunlich ruhig auf einer weitläufigen Weide steht, den Kopf leicht gesenkt, kaum wahrnehmbar den Boden mit dem Vorderhuf bearbeitet und dabei diesen einen Blick besitzt, der jedem unmissverständlich klarmacht, dass man sich den Rest der Diskussion eigentlich sparen kann.

Genau dieses Gefühl vermittelt der neue Urus SE.

Vertrauen Sie mir: genau das ist seine größte Stärke!

Er versucht gar nicht erst, aggressiv zu wirken. Er muss es nicht. Während andere Hersteller inzwischen jede einzelne Fahrzeugkante mit möglichst vielen Luftschlitzen, Spoilern und dramatischen Lichtsignaturen dekorieren, genügt dem Lamborghini ein einziger Blick in den Rückspiegel.

Man erkennt ihn sofort.

Nicht wegen seines Logos. Sondern wegen seiner unfassbar schönen Präsenz. Das ist ein bemerkenswerter Unterschied.

Es gibt Menschen, die betreten einen Raum und möchten gesehen werden. Andere betreten ihn und plötzlich wird es einfach etwas ruhiger.

Der Urus gehört eindeutig zur zweiten Sorte.

Ich frage mich ohnehin manchmal, wie eine Entwicklungsbesprechung in Sant’Agata Bolognese wohl abläuft.

“Meine Herren… wir sollten einen SUV bauen.”

Stille.

Vermutlich sogar eine ziemlich lange.

Irgendwo fällt ein Bleistift auf den Boden. Ein älterer Ingenieur schaut langsam über den Rand seiner Brille. Irgendjemand wispert leise schließlich genau jene Frage, die jeder Lamborghini-Fan insgeheim befürchtet: “Und… was passiert dann mit unserem Stier?”

Die Antwort kennen wir heute. Gar nichts.

Er bekommt lediglich etwas längere Beine. Tja, und genau deshalb funktioniert der Urus.

Er wollte nie etwas anderes sein.

Je länger ich ihn betrachte, desto weniger sehe ich übrigens einen SUV.

Dieses Wort erscheint mir ohnehin reichlich langweilig für ein Fahrzeug, das aussieht, als könne es selbst einer Gebirgskette höflich, aber bestimmt erklären, zukünftig bitte etwas flacher zu verlaufen.

Nein. Der Urus ist etwas völlig anderes.

Er ist vermutlich jener eine Stier, der morgens geschniegelt im Maßanzug zum Geschäftstermin fährt, nachmittags drei Kinder samt Hund einsammelt und sich abends trotzdem noch darüber freut, auf einer menschenleeren Passstraße daran erinnert zu werden, warum sein Herz eigentlich etwas schneller schlägt als das gewöhnlicher Automobile.

Eine ausgesprochen sympathische Eigenschaft.

Leistung? Echt jetzt?!

Natürlich besitzt er davon mehr als ausreichend. Darüber werden Sie in nahezu jedem Testbericht ausreichend Zahlen finden. 

Mich interessiert viel mehr eine andere Frage: Wann genau haben wir eigentlich aufgehört, Produkte nach ihrem Charakter zu beurteilen?

Denn Charakter besitzt der Urus reichlich.

Er versucht nicht, jedem zu gefallen. Er bittet nicht um Aufmerksamkeit. Er entschuldigt sich nicht dafür, ein Lamborghini zu sein.

Vielleicht liegt genau darin sein größter Luxus.

Es gibt Fahrzeuge, die fährt man.

Es gibt Fahrzeuge, die besitzt man. Und dann gibt es jene wenigen, die man morgens in der Garage begrüßt, als würden sie seit vielen Jahren zur Familie gehören.

Ich bin ziemlich sicher, dass der Urus zu genau dieser Sorte gehört.

Allerdings würde ich ihm vorsichtshalber niemals den Rücken zukehren.

Man weiß schließlich nie, was ein italienischer Kampfstier gerade denkt.

lamborghini.com

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